Empathie

24. märz 2025

 

 

„Ich habe kein Mitgefühl für Verlierer. Empathie ist etwas, mit dem wir zu kämpfen haben. Elon ist so wie ich. Wie ein Klon von mir, sagen die Leute“ – diese Sätze finden sich in einer ZDF - Dokumentation über die Familie Musk und stammen von Errol Musk, dem Vater des Chefs von X, Tesla, SpaceEx usw. Oft werden derlei Bemerkungen verbunden mit den Merkmalen des Asperger-Autismus, an dem zu leiden Elon Musk selbst öffentlich gemacht hat. Aber es geht nicht um den klinischen Befund. Es geht weiter: Empathie zu haben, sei die zentrale Schwäche Europas, sagt Elon Musk überdies in einem Interview mit Joe Rogan, jenem Rogan, der auch Donald Trump am 24.10.24 eine digitale Bühne verschafft hat, die seinem Wahlkampf einen mächtigen Schub verleihen sollte. Noch einmal zum Nachsinnen und Mitschreiben: Empathie ist die Schwäche Europas…
… Ja, so ist es. 
Wer empathisch wird, versetzt sich in den anderen und muss dafür jene Energie aufwenden, die ihm bei der Durchsetzung der eigenen Interessen möglicherweise fehlt. Er geht das Risiko ein, dass ihm das Nachteile verschafft, wenn es hart auf hart kommt. Empathie ist kein leichthändiges Accessoire, das man sich bei Gelegenheit bieten oder andienen lässt, sondern eine ambivalente Haltung: Es räumt dem anderen, Freund wie Feind, Gegner, Schuldner und Genosse, Vertrauten und Fremdling Platz und Gelegenheit ein, sich zu äußern, zu präsentieren, verteidigen oder aufzuplustern. Man weiß es vorher ja nicht genau.
Das geschieht in der Hoffnung, dem Glauben und dem Vertrauen, dass diese Haltung sich am Ende auszahlt. Für alle. Am Ende. Wenn schon am Beginn, dann sei es Gott gepriesen, aber das ist nicht die Erwartung. Dass das Aufbringen von Empathie belohnt wird mit der Erfahrung, dass eine gefundene oder errungene Übereinkunft allen Seiten mehr dient als ein Sieg, eine Überwältigung oder eine Vernichtung. Das zu glauben, ist die Schwäche Europas. Sie ist ein Kind des christlichen Glaubens, der sogar behauptet, es handele sich dabei um eine göttliche Eigenschaft. 

Wir werden sehen, wie weit man ohne Empathie kommt. Weltgeschichte ist immer auch ein Experiment mit offenem Ausgang.

Helmut Aßmann
 

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